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 Ascona  
Die Burg von S. Michele in Ascona  
In der Nähe der Kirche von S. Michele sind sonderbare Spuren sichtbar. Versteckt im Gebüsch ragen geheimnisvolle efeubewachsene Steine aus dem Boden. Aber eine eigentümliche Ausführung verrät ihre Geschichte. Es handelt sich dabei um antike Mauern, deren gibellinischen Zinnen an jene vergangener Ereignisse früherer Hofdamen und Ritter erinnert. Und für einen kurzen Augenblick erwacht die grösste der vier Burgen von Ascona, die Burg von S. Michele.

Bis heute ist aber die Gründungszeit der Burg unbekannt geblieben. Der Chronist Francesco Ballarini aus Como überlieferte 1619 , es müsse sich dabei um ein Werk der Gallier (Kelten) handeln, welches dann von den Langobarden instandgesetzt und benutzt worden ist. Damit vermutete er die ersten Bewohner derselben noch vor Christi Geburt, zwischen 400 u. 100 v. Chr.

In Wirklichkeit, aber dies konnte er nicht ahnen, ist die Geschichte des Hügels um einiges älter. Während einer archäologischen Grabung der 60er Jahren wurden sogar archaische Artefakte mit einem Alter von über 4000 Jahren gefunden. Eine sensationelle Entdeckung. Zum ersten Mal wurden neolitsche Artefakte geborgen, insbesondere Pfeilspitzen und Keramik, die es ermöglichten die Gewohnheiten der ersten „Asconeser“ zu fassen.

Auch in den darauffolgenden Jahrhunderten muss man sich auf dem Hügel eine Siedlung vorstellen. Insbesondere die Lepontier, so nannte Caesar im „de Bello Gallico“ die hiesigen Kelten, spielten eine wichtige Rolle für die Region. Sie stellten nämlich kostbare Kunst-gegenstände her, wie z. B. die Schnabelkannen, welche bis nach Deutschland gehandelt wurden. Sogar der Name „Ascona“ verdanken wir diesen Kelten, und nach der Meinung von einigen Experten bedeutet er „grosse Weide“. Für die Zeit des Römischen Reiches und der folgenden Eroberung der Franken und Byzantiner, also etwa um die Zeit der ersten fünf Jahrhunderte nach Christi Geburt, sind auf dem Hügel keine nenneswerte Spuren zum Vorschein gekommen, obwohl Ascona, der Nekropole von S. Marterno zu urteilen, sicher noch bewohnt war.

Die langobardische Invasion Italiens, am Ende des 6. Jahrhunderts, reorganisierte in den beiden folgenden Jahrhunderten (von 600 bis 800 n. Chr.) die alten römischen Traditionen und Strukturen von Grund auf neu. Die mittelalterliche Burg von S. Michele, höchstwahrscheinlich in dieser Zeit gebaut, war damals Sitz eines lokalen Herren (Sculdascio), der direkt einem wichtigen langobardischen Richter aus Angera (nahe Sesto Calende, Italien) unterstellt war. Zeitgleich wurde Locarno zu einem „Königssitz“ mit einem mächtigen Burgherren

(Gastaldo), der die umliegenden Ländereien kontrollierte. Das Aussehen dieser ersten Burg ist bis heute geheimnisvoll, aber wahrscheinlich bestand sie aus hölzernen Bauten mit einem kreisförmigen Holzwall und einem zentralen Turm.

Mit der Feudalordnung entwickelten sich aus der Familie der Da Besozzo aus Locarno verschiedene Zweige, z. B. Orelli (Locarno), Magoria (Bellinzona), Muralto und schliesslich auch die mächtigen Duni von Ascona. An Pietro de Duni gab der Bischof von Como 1189 die Burg und die Ländereien als Lehen. Später wurde sie sicher mehrmals umgebaut und vergrössert, bis sie schliesslich eine beachtliche Grösse erreichte. Denn sie mass mindestens 100 x 50 m, mit 11 m breiten Türmen, mit einer Mauerdicke von 1,6 m und einen Aussichtsturm mit einer Höhe von vielleicht sogar 15 m. Eine zeichnerische Rekonstruktion, die in diesen Seiten abgebildet wurde, widerspiegelt diese Grösse. Sie war nur unwesentlich kleiner als die Burg von Locarno. Wenn man heute von der Kirche von S. Michele auf Ascona hinabschaut erhält man noch den gleichen Eindruck, der einst die Adligen gehabt haben mussten.

Die Duni lebten bis am Anfang des 16. Jahrhunderts dort. Später siedelten sie sich dann im Dorf an. Die Burg wurde dann von den Eidgenossen 1513 erobert und 1518 definitv verlassen. Wahrscheinlich stammt aus dieser Zeit das bescheidene Fresko im Chor der Kirche der Santi Pietro und Paolo von Ascona, welches die Burganlage im Hintergrund hinter dem Schiff erahnen lässt (s. Abbildung). Es folgte eine lange Zeit des Zerfalls und nur 1596 bemerkte der Erzpriester Banfi, dass das Oratorium von S. Michele, offenbar schon damals ein Teil der Burganlage, ebenfalls zerfallen war. Man entschied sich einen intakten Turm der Anlage zu renovieren und eine neue Kirche in seinem Innern zu errichten, welche dann auch 1669 fertigestellt wurde. Auch die Urbanisierung Asconas machte keinen Halt vor der Burg, so wurde 1912 der Turm der Toranlage gesprengt, während in den Jahren danach durch verschiedene Villen grosse Teile der Wehrmauern zerstört wurden.

Heute sind von der mittelalterlichen Anlage nur noch die Hochburg, der umfunktionierte Turm und wenige Mauern übriggeblieben. Aber auch sie verstecken noch tief unter der Erde Zeugen der Vergangenheit, die nur darauf warten entdeckt zu werden. Die Burg von S. Michele war einst und ist noch heute die imposanteste und grösste der vier Burgen von Ascona.
Artikel wurde uns freundlicherweise von " Ascona per lei" zur verfügung gestellt.

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