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 Ascona  
Santi Pietro e Paolo in Ascona  
Ascona ist das Dorf, aus dem Giovanni Serodine stammt, einer der grössten Maler des 17. Jahrhunderts in Italien. In Ascona werden etliche seiner kostbaren Werke aufbewahrt. Der Rundgang beginnt mit der Besichtigung der Pfarrkirche, in der eines seiner Meisterwerke zu bewundern ist, ein Altarbild, das die Krönung der Jungfrau Maria darstellt. Anschliessend schlendern wir durch das Dorf. In den schmalen, den Fussgängern vorbehaltenen Gassen sehen wir alte Paläste mit schönen Toren, Balkonen und Fresken, zahlreiche Boutiquen, Restaurants, Kunstgalerien und Antiquariate. Ein buntes,abwechslungsreiches Zusammenspiel. Ausgangspunkt ist die Kirche Santi Pietro Paolo, deren schlanker Glockenturm ein wenig zum Sinnbild von Ascona geworden ist.Nachdem wir die Werke des Serodine, die hier aufbewahrt werden, gesehen haben, ist esunerlässlich, den Spuren seines Genies im Vaterhaus des Malers, der Casa Serodine am gleichen Platz vor der Kirche, zu folgen. Es ist nicht nachgewiesen, dass er an der Dekoration der Fassade mitgewirkt hat. Die seinem Bruder Giovan Battista zugeschriebenen Stuckaturen sind jedenfalls von hervorragender Machart. Wir wenden uns nun dem Ufer des Lago Maggiore zu und spazieren auf der Seepromenade, die von den Künstlern und Schriftstellern, die Ascona seit dem 19. Jahrhundert als Ort der Erholung und der Inspiration gewählt haben, so sehr geliebt wurde. Vor dem Albergo Castello biegen wir nach links ab und erreichen über den Vicolo dei Ghiriglioni die Via delle Cappelle, der wir nach links folgen bis zum Oratorium der Heiligen Fabian und Sebastian, in dem heute ein Museum religiöser Kunst eingerichtet ist. Schräg gegenüber beginnt die Allee, die zum Collegio Papio und zur Kirche Santa Maria della Misericordia führt, deren Malereien zu den bedeutendsten im Tessin gehören. Wir gehen dann hinaus auf die Via Collegio, die entlang der Mauer verläuft, die den 1584 von Bartolomeo Papio errichteten Baukomplex im Herzen Asconas umgibt. Es geht weiter durch die Carrà dei Nasi, dann die Via Borgo bis zum Gemeindemuseum, wo wir wieder nach links in die Contrada Maggiore einbiegen, um auf die Piazzetta San Pietro zurückzukehren. Die Pfarrkirche von Ascona, mitten im alten Ortszentrum, ist den Heiligen Petrus und Paulus gewidmet. Eingeengt von Gassen und Bürgerhäusern, macht sie sich durch den schlanken Glockenturm , der die Dächer überragt, weithin bemerkbar . Das jetzige Kirche geht auf das 16. Jahrhundert zurück, als ein bereits 1264 erwähntes Gebäude erweitert wurde. Weitere Renovationen folgten um die Mitte des 18. und im 19. Jahrhundert. Am Bauwerk des 16. Jahrhundert war wohl der Baumeister Giovanni Beretta aus Brissago beteiligt. Viele glauben seine Handschrift im Chor und am Campanile zu erkennen. Der obere Teil des Glockenturms ist um die Mitte des 18. Jahrhunderts erneuert worden und trägt das Gemeindewappen im Barockstil . Der Kirchenraum weist drei Schiffe auf. Der vieleckige Chor ist vollständig mit Fresken geschmückt. Der Marmoraltar wurde 1786 von Gabriele Longhi geschaffen. Das vermutlich älteste Fresko, an der Südwand, zeigt die Heiligen Nikolaus, Kosmas und Damian; vielleicht ein Werk von Nicolao da Seregno. Aus dem 16. Jahrhundert stammen die Fresken in der Apsis; Christus im Grab auf der Südseite und der heilige Antonius auf der Nordseite. Zwei Fresken sind in alten Häusern abgelöst worden: eine Muttergottes mit Kind und eine Thronende Madonna mit Heiligen, Ende des 15. Jahrhunderts, über dem Eingang . Im Chorgewölbe ist die Glorreiche Jungfrau abgebildet, ein Werk von Pietro Francesco Pancaldi Mola aus Ascona (1770), das vermutlich später neu gemalt wurde. Interessante Stuckaturen findet man auf den Grabsteinen von Vacchini (1622) und Porrini (1576) sowie in der Kapelle, in der die 1702 aus Rom nach Ascona gebrachten Reliquien der heiligen Sabina aufbewahrt werden. Doch die Kirche ist vor allem deshalb wirklich einmalig, weil sie das Altarbild von Giovanni Serodine besitzt, das die Krönung der Jungfrau mit Heiligen darstellt . Das seit 1633 ausgestellte Bild war vom Ehepaar Giovanni und Antonia Bettetini aus Ascona in Auftrag gegeben worden. Es war wahrscheinlich das letzte Werk des Künstlers, der zu den bedeutendsten Malern seiner Zeit zählt. Er ist sehr wahrscheinlich im Jahr 1600 (nach andern Quellen 1594) in Rom geboren worden. Sein Vater Cristoforo ging als Emigrant aus Ascona in Rom seinen Geschäften nach. Giovanni Serodine ist im päpstlichen Rom des 17. Jahrhunderts mit seinem lebhaften Kunstleben aufgewachsen, hat die Beziehungen zu seiner Familie in Ascona aber nicht aufgegeben. Seine steile Laufbahn endete vorzeitig: Er starb 1630, nach wenigen Jahren der künstlerischen Tätigkeit, von der kaum zwanzig sicher nachweisbare Werke übrig geblieben sind. Giovanni arbeitete anfänglich als Stuckateur an der Seite seines älteren Bruders Giovanni Battista, ging aber bald eigene Wege. Sein Vorbild war Caravaggio, der grosse Erneuerer der italienischen Malerei, die er vertiefte und mit eigenen Botschaften anreicherte. Akademische Denkschemen waren ihm fremd. Er bevorzugte den dramatischen, spontanen Ausdruck, den tragischen Realismus, das psychologische Einfühlungsvermögen. Sein Pinselstrich war rasch und entschlossen, die Farbgebung kräftig und dicht. Das Gemälde der Krönung Mariens nimmt gemäss den Auftraggebern das (immer noch vorhandene) Fresko aus dem 16. Jahrhundert wieder auf, das die Apsis zierte und sich auf zwei Ebenen, der himmlischen und der weltlichen, abspielt. Auf der ersten Ebene wird die Jungfrau, umgeben von jubelnden Engeln von der Dreifaltigkeit gekrönt; auf der zweiten bilden der heilige Abt Antonius, der Evangelist Johannes (Selbstporträt des Künstlers?), Petrus (Porträt des Vaters) , Paulus, Sebastian und Karl Borromäus das Umfeld. Die Wahl der Heiligen ist nicht zufällig . Antonius und Johannes sind die Schutzpatrone der Auftraggeber, Petrus und Paulus diejenigen der Kirche, San Carlo steht Ascona aus historischen Gründen nahe. Sebastian wurde gegen Epidemien angerufen: Die Familie Bettetini hatte 1616 drei kleine Kinder an einem Tag durch Pocken verloren. Himmel und Erde werden durch Baumstämme verbunden, vielleicht als Zeichen der Verehrung der Auftraggeber für die Madonna della Quercia, deren Bruderschaft sie angehörten. In der Kirche sind zwei weitere Bilder des Künstlers, vielleicht seine ersten Arbeiten ausgestellt: Die Söhne des Zebedäus (links vom Eingang) und Die Einladung nach Emmaus (rechts). Andere Werke Serodines sind im Städtischen Museum von Lugano (Porträt des Vaters) und in der Pinakothek Züst in Rancate (Der heilige Petrus im Kerker) zu sehen.

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