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| Die Burgen von Bellinzona |
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Die einzigartige Lage Bellinzonas im Schnittpunkt mehrerer Alpenpässe forderte schon in frühen Zeiten die Militärstrategen geradezu heraus, hier Befestigungsanlagen zu errichten. So ist bereits für die römische Kaiserzeit die Existenz eines Kastells auf dem Felsrücken des Castelgrande nachgewiesen. Dieses wurde Mitte des 4.Jahrhunderts soweit vergrössert, dass im Notfall eine Besatzung von bis zu 1000 Soldaten Platz fand. Die Burg, die im Jahre 1242 erstmals als komplette Festungsanlage erwähnt wurde galt in dieser Form lange als uneinnehmbar. Sie diente in der Folgezeit als Bollwerk gegen die nördlich gerichtete Expansionspolitik der Mailänder Regierungen. Im Jahre 1340 gelang es den Mailändern schliesslich nach langer Belagerung die Burg zu nehmen und sie für die nächsten eineinhalb Jahrhunderte selbst als Sicherungsanlage gegen die Eidgenossen einzusetzen. Das Castello di Montebello, oberhalb Bellinzonas gelegen, findet im Jahre 1313 erstmals Erwähnung und ist in ihrem Ursprung wohl von der aus Como stammenden Familie Rusca gebaut worden. Nach der Einnahme Bellinzonas durch die Mailänder, erhielt die Burg umfangreiche Erweiterungsbauten, um sie gemeinsam mit Castelgrande als Absperrgürtel in der Talenge einsetzen zu können. Das 600 m südöstlich der Stadt und somit höchstgelegene Castello di Sasso Corbaro, 1478 errichtet und somit die jüngste der drei Burgen, entstand aus strategischen Gründen. Die Mailänder schlossen mit dieser Burg, die in Rekordzeit von 6 Monaten entstanden ist, eine Lücke im Befestigungsgürtel, die es kleineren Einheiten erlaubt hätte, unbemerkt die Verteidigungslinie zu durchstossen. Nach dem Jahre 1503 ging die Herrschaft der Mailänder Herzöge zu Ende, und die Stadt Bellinzona und Ihre Burgen gingen in das Hausrecht der Eidgenossenschaft über. Diese dauerte bis ins Jahre 1798, wobei an den Burgen selbst keine wesentlichen Veränderungen stattgefunden haben. Letzter und bis heute Besitzer der Anlagen ab seiner Gründung im Jahre 1803 der Kanton Tessin. Castelgrande zwischenzeitlich als Zeughaus und Kantonsgefängnis genutzt, wurde nach 1920 mehrfach saniert. Im Jahre 1992 fand die jüngste und umfassendste Restaurierungsmassnahme mit dem Einbau moderner Einbauen unter Leitung des Architekten Aurelio Galfetti seinen Abschluss. Das Castello di Montebello verwahrloste nach 1798 zunächst. Erst nach 1902 setzten erste Renovierungsmassnahmen ein. Die letzte Renovierung stammt aus dem Jahre 1974, bei der der historischen äusseren Bausubstanz ein moderner Innenausbau eingefügt wurde. Ein gelungener Rahmen für das Museo Civico, das archäologische Museum der Stadt Bellinzona. Das Castello di Sasso Corbaro wurde nach 1799 verlassen und erst im Jahre 1933/34 renoviert. Ab 1964 beinhaltet es das Tessiner Volkskundemuseum. Die Bedeutung dieser Komplettanlage wurde inzwischen auch von der UNESCO anerkannt. Das im gesamten Alpengebiet einzig erhaltene Beispiel strategischer Militärarchitektur des Mittelalters wurde am 2.Dezember 2000 in die Liste des Weltkulturerbes eingereiht. Jede dieser Burgen ist aufgrund ihrer historischen Bedeutung, ihrer heutigen Zweckbestimmung oder aufgrund ihrer modernen und aufgeschlossenen Sanierungen einen Besuch wert.
Über die im Castel Grande und im Castello di Montebello durchgeführten Renovierungsmassnahmen wird zu einem späteren Zeitpunkt an dieser Stelle noch berichtet.
Castel Grande: Zugang über Lift vom Stadtzentrum oder über ausgeschilderten Fussweg. Keine Autozufahrt.
Castello di Montebello: Erreichbar über ausgeschilderte Anfahrt, Parkplätze an der Via Attore.
Castello di Sasso Corbaro: Anfahrt über Via Attore (vom Castello di Montebello aus) oder über die ausgeschilderte Via Sasso Corbaro. Parkplatz unterhalb der Burg.
Martin, Redaktion Info-Locarno Team info@info-locarno.ch
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