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| Brissago weltweit |
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Die riesigen Fenster reichen vom Boden bis zur Decke und die Aussicht ist ganz einfach atemberaubend. Von drei Seiten des Gebäudes blickt man direkt auf den Lago Maggiore, einen privaten Hafen und die umliegenden, von Palmen gesäumten Gartenanlagen. Man möchte es kaum glauben, dass man sich in einer Fabrik befindet, und dazu noch in einer, die nach 150 Jahren noch immer in Betrieb ist. Das herrschaftliche Gebäude an wunderschöner Lage direkt am See in Brissago ist als architektonisches Denkmal aus dem Industrialisierungszeitalter des 19. Jahrhunderts, im Tessin wohl einzigartig. Einzigartig in ganz Europa ist die Tatsache, dass die Fabrik seit den Anfängen 1847 bis heute sich ganz der Herstellung von einem Produkt widmet, bei dem Kunst und Industrie sich verbinden: Zigarren. Ein Stück Schweizer Wirtschaftsgeschichte Die Vergangenheit der Fabbrica Tabacchi Brissago und ihr berühmtestes Produkt, die Brissago-Zigarre, sind ein spannendes Stück Schweizer Wirtschaftsgeschichte: Gegründet wurde sie ursprünglich als Partnerschaft von schlauen Tessinern und italienischen Nationalisten, um von neutralem Boden aus den italienischen Markt zu erobern und so das Tabakmonopol der österreichischen Besetzer zu unterlaufen. Wer Zigarren aus Brissago rauchte, war ein Patriot, und deshalb entwickelte sich das Geschäft innert kürzester Zeit prächtig. Mit 700 Angestellten war die Fabbrica Tabacchi vor dem Ersten Weltkrieg die grösste Tessiner Fabrik und operierte bereits damals global: Der Tabak kam aus Virginia und Kentucky, wurde in Brissago verarbeitet und dann sogar bis nach Argentinien exportiert, wo die italienischen und Schweizer Auswanderer ein Stück Heimat rauchen konnten. In den vergangenen Jahrzehnten jedoch schwand der Konsum von Zigarren, und somit auch die Umsätze. Ein langsamer Abstieg begann, das Geld für Neuinvestitionen fehlte und die altehrwürdige Fabbrica Tabacchi drohte Ende der Neunzigerjahre zu verschwinden und das imposante Gebäude zum Spekulationsobjekt zu verkommen. Mit dem Einstieg der Dannemann-Gruppe, eines der traditionsreichsten europäischen Tabakunternehmen in Schweizer Besitz, kam jedoch 1999 die Wende. Die Zigarrenproduktion wurde nicht nur weitergeführt, sondern ausgebaut, und das einst baufällige Fabrikgebäude erstrahlt heute frisch renoviert in neuem Glanz. Nebst Plantagen und Manufakturen in Brasilien, Nicaragua und Indonesien gehört nun auch Brissago zu den Produktionsstandorten der Dannemann-Gruppe, die weltweit zu den drei führenden Zigarrenproduzenten gehört und als einziger Hersteller den ganzen Prozess vom Samenkorn bis zur fertigen Zigarre kontrolliert. Die Pflege von Traditionsbewusstsein und Qualitätssinn beschränkt sich für die Gruppe jedoch nicht nur auf die Zigarrenproduktion: Im brasilianischen Säo Felix, dort, wo der deutsche Einwanderer Gerhard (Geraldo) Dannemann 1872 den Grundstein für sein Zigarrenimperium legte, ist heute in dem historischen Fabrikgebäude auch das firmeneigene Centro Cultural Geraldo Dannemann untergebracht. Das Zentrum unterstützt seit der Gründung 1989 mit einem eigenen Kurator die Förderung der afrobrasiliamschen Kultur im Bundesstaat Bahia und hat sich zu einer der wichtigsten privaten kulturellen Institutionen in dieser Region Brasiliens entwickelt. Inspiriert vom Erfolg dieses Projektes wurde Anfang 2002 das Centro Dannemann in Brissago gegründet, das im neu renovierten oberen Stockwerk der Fabbrica Tabacchi untergebracht ist. Das Centro dient in einer Doppelrolle einerseits als interner Tagungs- und Schulungsort der Dannemann-Gruppe, andererseits tritt es als Eventzentrum ab Sommer 2002 mit öffentlichen Veranstaltungen in Erscheinung. "Diese wunderschönen, grosszügigen Räumlichkeiten direkt am See wurden zuletzt nur noch als Lagerräume genutzt. Jetzt erwachen sie zu neuem Leben und werden zugänglich für die Öffentlichkeit als Ort der Begegnung, wo Genusserlebnisse für Geist und Seele möglich sind", erklärt Clemente Bottani, der Direktor des Centro Dannemann, der vor seiner Karriere als Industrie-Manager in Mailand eine Gesangs-Aus-bildung als klassischer Bariton absolvierte. Mit berechtigtem Stolz führt er durch die rund 2500 Quadratmeter grossen Räumlichkeiten des Zentrums, zu denen unter anderem ein Auditorium für 250 Personen, verschiedene kleinere Konferenzräume sowie ein prachtvoller Saal mit Panoramafenstern gehören. Ein typisches Tessiner Grotto gehört genauso zum Grundstück wie der eigene Hafen, der mit dem Boot vom ganzen Lago Maggiore aus leicht erreichbar ist. Und wie es sich für eine Zigarrenfabrik gehört, wird auch für die Liebhaber des edlen Rauches gut gesorgt: ein 70 Quadratmeter grosser, begehbarer Humidor ist ebenso vorhanden wie eine lichtdurchflutete Smokers' Lounge, in der sich mit Blick auf den Lago Maggiore genüsslich Preziosen aus dem handgefertigten Topsegment der Dannemann Zigarrenproduktion schmauchen lassen.
Über das genaue Programm der ersten Saison will Clemente Bottani noch nicht allzu viel verraten, sicher ist jedoch, das sowohl in Eigenregie wie auch in Partnerschaft mit bestehenden Veranstaltern im Raum Maggiore Events stattfinden werden. "Wir möchten eine Plattform für ganz diverse Anlässe werden, die verschiedene Publikumsgruppen ansprechen. Allen Veranstaltungen ist jedoch gemeinsam, dass sie zur klar definierten Vision des Centro passen sollen." Imagination und Reflexion Gemäss Clemente Bottani ergibt sich die Unternehmensphilosophie seines Eventzentrums aus einer organischen Weiterentwicklung der Tradition des hier hergestellten Produktes, denn die Fabbrica Tabacchi war schon immer mehr als einfach nur eine Fabrik: "Eine Zigarre ist nicht nur ein Genussmittel-Produkt, sie ist auch ein kleines Kunstwerk, in dem sich Natur und Kultur verbinden. Gute Zigarren verwandeln Gedanken in Träume, sie öffnen Zugang zu Welten der Imagination und schaffen Raum und Zeit für geistige Reflexionen", erklärt er. "Diese besondere Kraft des Produktes ist eine Inspiration für uns, dieses Miteinander von Genussvergnügen und Gedankenarbeit möchten ermöglichten wir mit dem Centro kultivieren und an all unsere Besucher weitergeben, egal ob sie Zigarrenraucher sind oder nicht." Clemente Bottani blickt aus seinem Bürofenster auf den Lago Maggiore, der majestätisch in der Nachmittagssonne glänzt. "In der Fabrik wird mit dem Tabak gearbeitet", fügt er mit einem selbstironischen Zwinkern hinzu, "wir im Centro Dannemann arbeiten sozusagen als logische Ergänzung nun auch mit dem daraus hervorgehenden Rauch, wir fördern das Unsichtbare, die Welt der Gedanken und Emotionen.
Autor: Martin Weiss, freier Journalist in Zürich. Wir danken Frau Renata Dupont für die Erlaubnis diesen Artikel aus der Zeitschrift "Ticino Exklusiv" publizieren zu dürfen.
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